Der Notiz-Blog, der sich gewaschen hat

Matsch-Pfütze

Monat: Juli 2026

Sanftes auf die Ohren – Über eine sehr gelungene Anmoderation

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Am 16.07. schaltete ich auf der Autofahrt von Schneeberg nach Chemnitz einmal mehr die von mir sehr geschätzten Late Nite Sounds auf mdr Kultur ein. Die Sendung bietet unterschiedliche Musikgenres auf hohem Niveau, und auch deswegen ist es eine gute Idee, dass diese Sendung in Kooperation mit Bayern 2, Bremen 2 und SR-Kultur ausgestrahlt wird.

Natürlich höre ich genauer hin, wenn von einem Thomas die Rede ist. Diesmal ging es um einen Hörer, der an die Moderatorin Christine Heuck einen besonderen Musiktipp mit dem Wunsch herantrug, sie möge ihn berücksichtigen. Und das hat Christine Heuck auch getan! Und zwar mit einer ungewöhnlich poetischen Einführung, die wiederum die gewünschte Musik mitsamt dem Musikwunsch spiegelt.

Man könnte hier im wörtlichen Sinne von einem Sendungsbewusstsein sprechen: Auf Sendung gehen heißt hier, den Hörer förmlich mit in die Sendung hineinzuziehen und somit ein Bewusstsein für die Anliegen der Hörerschaft auch auszudrücken. Das ist heute wichtiger denn je, gerade wenn man private Radiosender hin- und wieder einschaltet, die zuallererst ein kommerzielles Verwertungsinteresse haben.  

Nun möchte ich die beiden Anmoderationen, die innerhalb einer viertel Stunde gesendet wurden, einmal in ihrer Gänze zitieren. Ich hatte beim Nachhören den Eindruck, dass sie auch aus einem Drehbuch stammen könnten. Kurz nach 22 Uhr gab es Folgendes zu hören:

Auch heute gönnen wir uns eine zweite Stunde Musik fürs Herz und von Herzen, darunter ein Song einer Band, die in den Zwischenwelten von Berlin und Dresden lebt und die hier dank einer Mail an mich von Thomas, der das Ganze so beschrieben hat, in diesen Herzstücken landet. Denn wenn der Thomas sagt, er fände, LÜX würden die Welt mit ihrer Musik die Welt ein bisschen schöner machen, und ich höre ‘rein und ich versteh‘ sofort, was er meint – wie gemein wäre das dann bitte, Sie nicht daran teilhaben zu lassen. In ein paar Minuten ist es soweit in diesen Herzstücken, und das hier ist Donovan Woods mit „Portland Maine“.

Und um kurz nach 22.15 Uhr setzte Christine Heuck wie folgt fort:

Ich hab‘ mich sehr gefreut über Thomas‘ Mail. Bremen 2, Bayern 2, mdr Kultur und SR Kultur. Thomas hört regelmäßig die Herzstücke  – das freut mich sehr –  via mdr Kultur und geht eben gerne hier mit uns zusammen donnerstags auf Entdeckungsreise. Und so schreibt er in seiner Mail von einer Band, die, so sagt er, momentan noch viel zu unbekannt sei, aber für ihn eben eine echte Herzensangelegenheit. Die Band heißt LÜX. Und Thomas unterstreicht – zurecht –, wie sehr er sich auch hier wünscht, man möge dem Text zuhören, wenn es zum Beispiel um „80 Sommers“ geht und um eigentlich jede Sekunde, die so wertvoll ist. Stimme und Musik sorgen für feuchte Augen und seliges Lächeln, sagt der Thomas, und es stimmt: Lieber Thomas, hier kommt Deine Entdeckung, gerne rein in diese Herzstücke-Playlist, danke fürs Drauf-Stoßen, auf LÜX und ihren Song, jetzt hier für uns alle: „80 Summers“.

80 Summers ist ein Lied, das von verpassten Chancen handelt: Über den schüchternen Jamie, der sich nicht traute, den attraktiven Otis anzusprechen, und über Josie, die sich trotz ihres Talents als Geigerin nicht dazu durchringen konnte, ihren Bürojob gegen einen musikalischen Beruf eintauschen konnte. Dieses kurze Anteasern soll genügen, damit auch der geneigte Leser bzw. die geneigte Leserin schnell in die Rolle des Hörers bzw. der Hörerin schlüpft und sich überzeugen kann, dass es sich hierbei um ein veritables Herz-Stück handelt!

Das Musikvideo folgt hier; desweiteren lohnt sich auch ein Blick auf die Homepage von LÜX, die bisher meist in ihrer Heimat Berlin auftraten. Auf der Sendungshomepage lassen sich die Sendungen nach Ausstrahlung 7 Tage lang nachhören.  

Krimi-Schauplätze: Zum Tatort „Der Feinkosthändler“ (1978)

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Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal zu einem Tatort einen Artikel schreiben würde. Nun, die Fügung wollte es, dass mein Osterspaziergang im heimischen Essen durch eine Straße führte, in der eine Tatort-Folge aus dem Jahre 1978 gedreht wurde. Das erfuhr ich, als ich deutlich hörbar den auffälligen Fassadenschmuck mitten in einer Häuserzeile kommentierte; Gäste des Hausherren gaben das Lob weiter, worauf sich dann der Hausherr persönlich vor die Eingangstür gesellte und sogleich vom Feinkosthändler berichtete. Dieser ist der Protagonist des gleichnamigen Krimis, in dem die Straße Stiftmühlenbrink mitsamt der Häuserzeile eindeutig erkennbar ist.

Ästhetischer Kommentar: Das „sah hier ja aus wie“ in der ehemaligen DDR. Ja: Die Bundesrepublik vor etwa 50 Jahren war alles andere als herausgeputzt, vor allem nicht im Ruhrgebiet. Viel bekommt man in diesem Tatort davon nicht mit, gerade auch, weil der Fernsehzuschauer nur mit Spezialwissen erkennen kann, wo die Handlung spielt. Der Hauptschauplatz, nämlich das Feinkostgeschäft, befand sich überdies in Oberschleißheim bei München, so dass der Ortswechsel nach Essen von der Handlungslogik sich nicht hätte begründen lassen können. Filmproduktionstechnisch gesehen gibt es natürlich eine Erklärung, denn die tonangebende Rundfunkanstalt war der WDR und die Produktionsfirma die Bavaria Atelier GmbH, so dass hier gewisse Ressourcen aufgeteilt werden konnten.

Der Kriminalfall soll nur kurz skizziert werden: Der Feinkosthändler hat eine ihm, vorsichtig ausgedrückt, sehr zugeneigte Kundin namens Frau Böhmer, in deren Haus sich der Kaufmannssohn Andreas und die junge Mitarbeiterein Birgit (Biggi)  zur Schäferstunde treffen (Zugang erhalten sie durch einen Schlüssel, die die Kundin bei ihrer Putzfrau, Biggis Mutter, hinterließ). Als die beiden in flagranti erwischt werden, haut der Sohnemann der geschätzten (und wohl auch geliebten) Kundin eins über die Rübe, und zwar mit tödlichem Ausgang.

Zum Schluss möchte der Kaufmannssohn sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln von der Essener Margarethenhöhe absetzen, während der Vater ihn beschützen und Biggi im Lager erledigen will. Doch Kommissar Haferkamp observiert Andreas,  spürt ihn am Essener Hauptbahnhof noch gerade rechtzeitig beim Einsteigen in einen Regionalzug auf und stellt ihn während der Fahrt. Mangels Funk- und Telefonverbindung zieht der Kommissar die Notbremse. Die Polizei trifft schließlich noch rechtzeitig am Feinkostladen ein, um Wevers Mordpläne zu vereiteln, auch dank guter Observierung durch Haferkamps Assistenten….

Fluchtfahrt (Tatort)
Andreas‘ Fluchtversuch, hier im Bus kurz vor dem Essener Hauptbahnhof (mit der 2013 abgerissenen AEG-Zentrale aus den 1950er Jahren);
Der Feinkosthändler (WDR / Bavaria Atelier GmbH, 1978,1h12min21sek).

Wenn ich über diesen gut gemachten Krimi nachdenke, muss ich an das Subversive denken, das die Handlung kennzeichnet. Heute hätte sicher eine solche Beziehung nichts Anstößiges; man müsste sich nicht ohne Erlaubnis in eine fremde Wohnung begeben, was ja auch schon unerhört ist. Auch dass den Ermittlern der Mord am heiligen Sonntag bekannt wird (man hört während des Gottesdienstes Blaulicht), zeigt, wie die Ordnung im bürgerlichen Leben von innen zerstört wird. Es gibt keine Bedrohung von außen, sondern nur aus dem familiären Umfeld heraus.

Sehr eindringlich werden im Krimi gleich drei Schauplätze Essens für mehr als nur wenige Sekunden gezeigt: Essen-Rellinghausen, die Magarethenhöhe und der Hauptbahnhof. Rellinghausen ist der Schauplatz für eine buchstäbliche Kehrtwende von Wever: Erst möchte er seinen Sohn verstoßen, wofür dessen erzwungenes Aussteigen steht, doch just an der großen, mir sehr vertrauten Kreuzung an der Ruhr (mit der B227) dreht er seinen Lieferwagen in der Geradeaus-Spur nach Essen-Überruhr und fängt seinen Sohn wieder ein. Kurz darauf besprechen sich die beiden in der bereits erwähnten Straße Stiftmühlenbrink.

Stiftsmühlenbrink (Tatort)
Damals düster wirkende Straße Stiftmühlenbrink in Essen-Rellinghausen, wo Wever und sein Sohn sich in einer Hofeinfahrt besprechen;
Der Feinkosthändler (WDR / Bavaria Atelier GmbH, 1978,48min55sek).

Die Mintarder Ruhrtalbrücke, Deutschlands längste Autobahnbrücke vor den Toren der Stadt, ist übrigens auch Kulisse für einen Sonntagsspaziergang von Haferkamp und seiner Frau. Man würde nun wirklich annehmen, dass das Feinkostgeschäft sich in Essen befindet, doch womöglich waren die Warenauswahl und die Produktpräsentation dort nicht ganz so vorzeigbar (vgl. der Riesenbrezel vor den Augen des Feinkosthändlers!).

Feinkostladen (Tatort)
Wevers Sicht auf seinen Feinkostladen und auf die Kassiererin Birgit;
Der Feinkosthändler (WDR / Bavaria Atelier GmbH, 1978, 1h11min45sek).
Der Feinkosthändler
Wevers Kontroll-Blick herab auf das Geschehen im Feinkostladen
Der Feinkosthändler (WDR / Bavaria Atelier GmbH, 1978, 1h11min41sek).

Diese 91. Tatort-Folge lässt sich hier anschauen. Weitere Infos zu der Folge (inklusive der Hauptdarsteller) finden sich auf einer Fan-Seite; ein privater Blog versucht sich an einer gesellschaftskritischen Interpretation. Bekannteste Schauspielerin ist aus heutiger Sicht Marie-Luise Millowitsch, Tochter von Willy Millowitsch. Dem Regisseur Hajo Gies ist übrigens Kommissar Schimanski zu verdanken; Hansjörg Fellmy spielte in 20 Tatort-Folgen den Kommissar Haferkamp.

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