Im April habe ich nach mehreren Anläufen an einer Wanderung unter dem Motto „Pilgern am Purple Path“ teilgenommen. Eindeutig ist dieses Format auch eine Reminiszenz an das Kulturhauptstadtjahr 2025, in dem der Purple Path als Kunstpfad rund um Chemnitz ausgeflaggt wurde. Das Ergebnis sind (neu) zu entdeckende Skulpturen am Wegesrand. Die beiden in und um Chemnitz wirkenden Pilgerbegleiter Ina Wild und Rainer Zuk fassten den grandiosen Entschluss, das eine, also das Pilgern, mit dem anderen, einer Kunstbetrachtung zu verbinden.

So war ich gar nicht überrascht, dass als Treffpunkt der mit über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr gut nachgefragten Wanderung die Schneeberger Sankt Wolfgang-Kirche mit dem berühmten Lucas-Cranach-Altar genauer ins Visier genommen wurde. Ina Wild verteilte dazu kleine Spiegel, mit denen das Bauwerk im wahrsten Sinne des Wortes reflektiert werden konnte. Lichteinfälle, die man sonst nicht oder kaum wahrnimmt, konnten somit vor dem Auge aufscheinen.
Auch das Auditive kam in Verbindung mit Orgelspiel und Liedgesang zu Geltung, bevor es draußen direkt zur Skulptur Coin Stack von Sean Scully ging. Das Thema Geld wird hier subtil auf einer historischen und zugleich autobiografischen Ebene beleuchtet. Für mich wird hier schön das Motiv des Sparens dargestellt, das ja auch eine Art des Zusammenlegens und Akkumulierens im physischen Sinne bedeutete, bevor es so etwas wie Plastikgeld gab. Wenn man bedenkt, dass Schneeberg an der Silberstraße liegt, dann sind Edelmetallgewinnung und Geld untrennbar miteinander verbunden. Im Französischen ist argent das Wort für Geld und Silber zugleich. Früher hatte Geld anders als heute auch einen hohen materiellen Wert, so dass ein Münzstapel durchaus Kapital im doppelten Sinne darstelle, vor allem wenn er von den Silber-Bergleuten aufgeschichtet wurde.
Nachfolgend wanderten wir über den Gleesberg (mit einer Berggaststätte am höchsten Punkt, die bei schönem Wetter am Wochenende nachmittags geöffnet hat; am besten vorher unter 03772 / 22453 sich nach den Öffnungszeiten erkundigen!) in Richtung Floßgraben, der viele Kilometer lang in der vorindustriellen Zeit als eine Art Lieferkanal (Brenn-)Holz führte. Der Weg eignet sich gut, um gleichmäßigen Schrittes Impulse aus der Natur wahrzunehmen. Apropos Impuls: Kurz vor Niederschlema konnten wir unsere Füße in den Graben halten und sie sanft kühlen, bevor es zu einem sehr idyllischen Picknickplatz ging, an dem wir Rast einlegen und unsere mitgebrachten Speisen teilen konnten. Mich befiel während des anschließenden Impulses in der Evangelischen Kirche zu Niederschlema eine gewisse Müdigkeit; das einrahmende Orgelspiel verleitete mich zu einem kurzen Exkurs in Welten, die keine Geografie kennen – einige, für Orgel bearbeitete Takte aus Dvořáks Sinfonie aus der neuen Welt trugen dazu bei.

Durchs Schlematal zogen wir zum gerade für die Landesgartenschau 2027 hergerichteten Kurpark von Bad Schlema, der vor den 1940er Jahren sicher ähnlich schön ausgesehen haben musste, bis die Landschaft einige Jahrzehnte dem Uranbergbau unterworfen wurde. Tony Craggs Skulptur „Stack“ erinnert an die Verwerfungen der Landschaft, die durch menschgemachte Erdbewegungen buchstäblich deformiert wurde.

Nur noch wenige Hundert Meter; dann war Schneeberg wieder erreicht. In der Konditorei Willert ließen wir uns nieder und unterhielten uns noch munterbis zur Schließzeit um 17 Uhr, bis ich erfüllt von dieser Pilgertour den Heimweg antrat.
Vielen Dank an die Organisatoren Ina Wild und Rainer Zuk, die sich für auch den Sächsischen Jakobsweg stark machen. Eine weitere Pilgertour wird von Hohndorf / Erzgebirge am 30.05. um 9. 30 Uhr angeboten.
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